Nationalpark im Teuto ist rentabel (LZ vom 24.09.2011)
Wirtschaftlichkeitsgutachten liegt vor (VON HUBERTUS GÄRTNER)
Detmold. Ein Nationalpark im Teutoburger Wald wird in ökonomischer Hinsicht keine negativen, sondern erhebliche positive Effekte haben. Zu diesem Ergebnis ist nach Informationen dieser Zeitung das mit Spannung erwartete Wirtschaftlichkeitsgutachten des Roland-Berger-Instituts gekommen. Unter Berücksichtigung aller Investitionen wird in der Expertise für den Nationalpark eine Wertschöpfung von fünf Millionen Euro pro Jahr prognostiziert.
Gleichzeitig werden in dem Gutachten diverse Szenarien der Nationalpark-Gegner konterkariert. Diese hatten den maßgeblich vom Kreis Lippe und dessen Landrat Friedel Heuwinkel (CDU) geplanten Nationalpark bereits als „Millionengrab" bezeichnet und erhebliche wirtschaftliche Nachteile für die Region vorausgesagt.
Wie aus sicherer Quelle verlautet, hat das Roland-Berger-Institut errechnet, dass unter dem Strich mit der Einrichtung eines Nationalparkes in der Region wesentlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet werden. Zur Begründung wird unter anderem angeführt, dass die Folgen eines Nationalparks vor allem für zwei große Holz verarbeitende Industriebetriebe längst nicht so dramatisch ausfallen werden wie von diesen bisweilen dargestellt. Diese Industriebetriebe würden lediglich zwei beziehungsweise vier Prozent ihres Holzbedarfs aus der geplanten Nationalparkfläche decken. Außerdem würden von dem Holz, das in OWL auf rund 180.000 Hektar geschlagen wird, bislang 43 Prozent in andere Regionen, teilweise sogar ins Ausland exportiert. Da der Nationalpark im Teutoburger Wald nur etwa 8.500 Hektar groß sein soll, bestünden für die Industrie- und Handwerksbetriebe in der Region immer noch genügend Möglichkeiten, Holz aus der direkten Umgebung zu kaufen.
Beim Verzicht auf den Holzeinschlag, der wegen des sogenannten Prozessschutzes auf den meisten Flächen eines Nationalparks notwendig ist, würden im Teutoburger Wald langfristig etwa 6.000 Festmeter Buchenholz pro Jahr weniger geerntet, heißt es im Gutachten. Daraus resultiere ein Verlust von jährlich etwa 2,1 Millionen Euro.
Diesem Minus stünden allerdings Mehreinnahmen aus der Tourismusbranche in Höhe von 4,2 Millionen Euro entgegen. Beim Tourismus bezieht sich Roland Berger auf Vergleichszahlen in anderen deutschen Nationalpark-Regionen und rechnet mit einer Steigerung von zwei Prozent.
Die Einzelheiten des Wirtschaftlichkeitsgutachtens will der bei den Planungen federführende Kreis Lippe am 17. Oktober vorstellen. Ihm dürfte das Berger-Gutachten willkommen sein. Zwar war vor drei Jahren bereits ein Fachgutachten des NRW-Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kulisse im Teutoburger Wald die naturschutzfachlichen Voraussetzungen für einen Nationalpark „gemäß den Kriterien des Bundesnaturschutzgesetzes" erfüllt. Kritiker hatten dem jedoch ökonomische Bedenken entgegengesetzt.
Weder der lippische Landrat Friedel Heuwinkel noch das NRW-Umweltministerium wollten am Freitag zum Berger-Gutachten Stellung nehmen. Am Montag soll in Bad Lippspringe zunächst ein runder Tisch zu den Planungen eines ebenfalls umstrittenen Nationalparks in der Senne stattfinden.






