Die ärztliche Versorgung sichern und Engpässen im Facharztbereich entgegenwirken (Antrag der CDU Extertal)

Medizinisches Versorgungszentrum
Die CDU Extertal stellt den Antrag an die Gemeinde, sich intensiv mit der Schaffung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im Extertal zu beschäftigen.
Die Situation heute: Alle Allgemeinmediziner im Extertal arbeiten in ihren eigenen Einzelpraxen, eventuell als Praxisgemeinschaft bzw. Gemeinschaftspraxen mit anderen Ärzten (eine Praxis in Silixen, eine Praxis in Almena, drei Praxen in Bösingfeld). Es sind keine Fachärzte (außer Zahnärzten) niedergelassen. Dazu kommt ein Angebot an Physiotherapeutischen Praxen und Apotheken in den verschiedenen Ortsteilen. Bei der heutigen Altersstruktur unserer Allgemeinmediziner ist zu erwarten, dass die meisten Praxen in einem absehbaren Zeitraum (>5 Jahre) nicht mehr neu besetzt werden. Die ärztliche Versorgung wird im heutigen Umfang nicht mehr gegeben sein. Als Nachteil stellt sich hierbei die Nähe des Extertals zu Niedersachsen dar. Ärzte im KV-Bereich Westfalen-Lippe (KV = Kassenärztliche Vereinigung) erhalten im Quartal ca. 10 € weniger je Fall und Patient an Vergütung als Ärzte im KV-Bereich Niedersachsen. Es ist daher nicht anzunehmen, dass junge Ärzte sich im Extertal niederlassen, wenn nur wenige Kilometer weiter ein höheres Einkommen erzielt werden kann. Um Anreize gerade für junge Mediziner zu setzen, sich trotz einer geringeren Vergütung im Extertal niederzulassen, müssen finanzielle Gesichtspunkte (niedrigere Kosten bei Neuniederlassung bzw. Berufsstart) in den Mittelpunkt gerückt werden. Ein weiterer Nachteil besteht, wenn sich eine Praxis im Privathaus des Arztes befindet. Ist der heute noch praktizierende Mediziner an einer Vermietung an einen Nachfolger interessiert?
Zielsetzung muss es im Extertal sein, die ärztliche Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger in allen Ortsteilen weiterhin zu gewährleisten. Die Altersstruktur der Bevölkerung und die zu erwartende demografische Entwicklung zeigen, dass eine Notwendigkeit zum Handeln besteht.
Ein MVZ könnte bei einer angedachten Umgestaltung vorhandener Infrastruktur, anlehnend an die Diskussion im Forum Extertal in die Planungen, integriert werden. Der Start zu einem MVZ könnte ein Ärztehaus im Extertal sein. Die Gemeinde stellt hierbei lediglich die Infrastruktur zur Verfügung. Ein Start mit einem Ärztehaus weckt in der Bevölkerung und unter den Medizinern Vertrauen für eine Gründung eines MVZ. Den möglichen Nachteilen für die Patienten in Bezug auf längere Fahrwege stehen wesentlich größere Vorteile für die Patienten und die Mediziner gegenüber.
Vorteile für die Mediziner und Patienten
Mediziner:
- Kostenersparnis durch gemeinsame Anschaffung und Nutzung medizinischer Geräte wie EKG, Sonografie etc.
- Kostenersparnis durch die Nutzung eines Gebäudes
- Kostenersparnis durch gemeinsame Verträge mit z. B. Telefonanbietern, Stromanbietern
- Kostenersparnis durch gemeinsame Besetzung einer Anmeldung und Einsatz von Personal mit Springer-Funktion
- Kostenersparnis durch gemeinsamen Einsatz eines Arztinformationssystems (AIS)
- Kostenersparnis durch den Einsatz eines Servers mit einer professionellen Datensicherung
- Weniger Risiko für junge Ärzte, die in das Berufsleben starten (die Ausstattung einer Praxis ist sehr teuer. Die Schulden für junge Ärzte sind geringer.)
- Möglichkeit im MVZ, angestellte Ärzte zu beschäftigen (junge Ärzte können auch außerhalb von Kliniken Erfahrungen sammeln.)
- Haftungsfragen im MVZ (Bei einer Gesellschaft haftet eine Gesellschaft und nicht eine Einzelperson.)
- Gemeinsame Gestaltung von Notfalldiensten
- Gemeinsamer Einkauf von Praxisbedarf und Behandlungsmaterial etc.
- Fördergelder von Land für die Schaffung eines Ärztehauses oder MVZ?
- Steuerberatungskosten senken
- Gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit
- Gemeinsame Raumpflege
- Einfacheres Einführen von Qualitätsmanagement

Patienten:

- Zentrale Anlaufstelle für die ärztliche Versorgung an einem Ort (Ärzte evtl. sogar Fachärzte + Zahnarzt + Apotheke + Physiotherapeutische Praxis + Optiker + Hörgeräteakustiker +++)
- Kooperationen mit Fachärzten (evtl. aus Krankenhäusern), die tageweise im MVZ als Zweigniederlassung oder als Teilgemeinschaftspraxis arbeiten
- Längere Öffnungszeiten  Vorteil für Berufstätige
- Zeitersparnis durch Optimierung der Abläufe
- Vermeidung von Doppeluntersuchungen
- Schneller Informationsfluss zwischen den Medizinern
- Vermeidung paralleler Behandlungsstrategien von Haus- und Facharzt

Gemeinde:

- Mieteinnahmen für die Gemeinde oder Einnahme bei Gebäudeverkauf!
Nachteile
- Mögliche weitere Anfahrtswege für die Patienten (ein Ausgleich wäre über die Anpassung der Busfahrpläne und Kooperation mit den Taxi-Unternehmen möglich.)
- Investitionskosten Gebäude
- Möglicher Umzug aus den vorhandenen Praxen (Mietverträge)

Die Tendenz zur Gründung von MVZ entwickelt sich unaufhaltsam nach oben. Ende 2009 gab es bereits 1454 MVZ (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. August 2010). Je Quartal erhöht sich die Zahl um 70 bis 80. In gleicher Weise wie die Anzahl der MVZ steigt, steigt auch die Anzahl der Mediziner, die in einem MVZ arbeiten. Gesellschaften werden nur dafür gegründet, sich mit der Gründung von MVZ zu beschäftigen. Kassenarztsitze werden für MVZ aufgekauft. In diesen Gesellschaften stehen wirtschaftliche Faktoren und nicht der Patient im Mittelpunkt. Diese Tendenz wird in den ländlichen Raum übergreifen, wenn in den Städten die Gebiete verteilt sind.

Die ärztliche Versorgung im Extertal gehört nicht in die Hand von Finanzinvestoren. Um der Tendenz entgegenzuwirken, muss sich die Gemeinde jetzt mit der Errichtung eines Ärztehauses beschäftigen, um genügend Zeit für den Aufbau eines MVZ zu haben. Die Gemeinde gemeinsam mit der Politik und mit allen Personen aus den medizinischen Bereichen (Ärzte, Apotheken usw.) müssen Strukturen schaffen, jungen Mediziner den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen, vorhandenen Medizinern und medizinischen Bereichen gemeinsame Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig den Standort Extertal zu stärken.

Die medizinische Versorgung ist ein Faktor für junge Familien mit Kindern. Senioren wünschen sich Sicherheit, wenn sie ihren Lebensabend im Extertal planen.

Joachim Bode

CDU Fraktionsvorsitzender

15. September 2010

Nächste Termine



Das Wetter im Extertal

bereitgestellt durch »www.wetter.de:

wetter.de Wetter-Widget
Wetterdaten werden geladen
Wetter Extertal www.wetter.de

Benutzermenü

Benutzeranmeldung
cdunrw-tv
cdunrw-aktuell
cdunrw-jetzt-mitglied-werden
Mitgliedermagazin der CDU
10 Gute Gründe
CDU NRW